EU-HTA-Leitfaden

JCA-Verfahren: Ablauf, Scoping, Dossier und Bewertung im EU-HTA

Der Joint Clinical Assessment (JCA) ist die gemeinsame klinische Bewertung bestimmter Gesundheitstechnologien nach der europäischen HTA-Verordnung. Für Arzneimittel verbindet das JCA-Verfahren den europäischen Assessment Scope, die Einreichung des JCA-Dossiers und die gemeinsame Bewertung der relativen klinischen Wirksamkeit und Sicherheit.

Der JCA ist keine europäische Entscheidung über Zusatznutzen, Preis oder Erstattung. Der JCA-Bericht beschreibt die verfügbaren vergleichenden klinischen Effekte und die Aussagesicherheit der Evidenz. Die Mitgliedstaaten bleiben für ihre nationalen HTA-Prozesse sowie für Entscheidungen über klinischen Zusatznutzen, Preisbildung und Erstattung verantwortlich.

Regulatorischer Stand: September 2026. Verfahrensdetails, Fristen, Templates und methodische Guidance sollten für ein konkretes JCA anhand der jeweils aktuellen Primärquellen geprüft werden.

Inhaltsverzeichnis

  1. JCA-Verfahren auf einen Blick
  2. Was ist ein Joint Clinical Assessment?
  3. Welche Arzneimittel unterliegen dem JCA?
  4. Wer ist am JCA-Verfahren beteiligt?
  5. Wie läuft das JCA-Verfahren ab?
  6. Wie wird der Assessment Scope im JCA festgelegt?
  7. Welche Rolle spielen PICOs im JCA?
  8. Wie wird das JCA-Dossier eingereicht?
  9. Welche Evidenz wird im JCA bewertet?
  10. Wie werden klinische Studien im JCA bewertet?
  11. Welche Outcomes werden im JCA berücksichtigt?
  12. Wie entstehen JCA-Bericht und Summary Report?
  13. Welche Fristen gelten im JCA-Verfahren?
  14. Was passiert nach Veröffentlichung des JCA-Berichts?
  15. Was ist der Unterschied zwischen EMA-Zulassung, JCA und nationaler HTA?
  16. Warum beginnt die Vorbereitung auf den JCA vor dem Verfahren?
  17. Was bedeutet das JCA-Verfahren für Hersteller?
  18. Häufige Fragen zum JCA-Verfahren
  19. Weiterführende Informationen zum JCA-Verfahren

JCA-Verfahren auf einen Blick

Das JCA-Verfahren für Arzneimittel läuft eng abgestimmt mit dem zentralisierten europäischen Zulassungsverfahren. Der Prozess reicht von der Identifikation eines JCA-pflichtigen Arzneimittels über Scoping und Dossiereinreichung bis zur gemeinsamen klinischen Bewertung und Veröffentlichung des JCA-Berichts.

**Phase****Was passiert?****Zentrales Ergebnis**
Initiierung des JCAJCA-Pflicht wird identifiziert, Assessor und Co-Assessor werden benanntStart des JCA
JCA-ScopingAnforderungen der Mitgliedstaaten werden erhoben und konsolidiertAssessment Scope mit einem oder mehreren PICOs
JCA-DossierDer HTD reicht die angeforderte klinische Evidenz einJCA Submission Dossier
Completeness CheckDie Einreichung wird auf Vollständigkeit geprüftVollständiges JCA-Dossier
JCA AssessmentAssessor und Co-Assessor bewerten die EvidenzDraft JCA Report
Factual Accuracy CheckDer HTD kann technische und faktische Fehler kennzeichnenRevised Draft JCA Report
Endorsement und VeröffentlichungDer Bericht wird finalisiert, endorsed und veröffentlichtJCA Report und Summary Report

Was ist ein Joint Clinical Assessment?

Ein Joint Clinical Assessment ist die gemeinsame wissenschaftliche Bewertung der relativen klinischen Wirksamkeit und Sicherheit einer Gesundheitstechnologie auf europäischer Ebene. Die Bewertung folgt einem Assessment Scope, der die Anforderungen der Mitgliedstaaten in Form von Population, Intervention, Comparator und Outcomes abbildet.

Wann beginnt das JCA-Verfahren für Arzneimittel?

Das eigentliche Scoping für einen JCA eines Arzneimittels beginnt nach Einreichung des Zulassungsantrags bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA). Die Identifikation eines voraussichtlich JCA-pflichtigen Arzneimittels und vorbereitende Schritte setzen bereits früher ein.

Was ist das Ergebnis des JCA-Verfahrens?

Das zentrale Ergebnis des JCA-Verfahrens ist der gemeinsame klinische Bewertungsbericht einschließlich eines Summary Reports. Der JCA-Bericht beschreibt relative klinische Effekte, Unsicherheiten sowie Stärken und Limitationen der Evidenz. Er enthält keine europäische Entscheidung über den klinischen Zusatznutzen oder den Erstattungsstatus eines Arzneimittels.

Was ist ein Joint Clinical Assessment?

Der Joint Clinical Assessment bewertet verfügbare klinische Evidenz zu einer Gesundheitstechnologie gegenüber einem oder mehreren Comparatoren. Rechtsgrundlage ist die Verordnung (EU) 2021/2282 über die Bewertung von Gesundheitstechnologien.

Die europäische HTA-Verordnung verfolgt unter anderem das Ziel, klinische Evidenz nicht für jeden Mitgliedstaat vollständig separat anzufordern und zu bewerten. Die für den JCA erforderlichen Informationen, Daten, Analysen und sonstigen Nachweise werden auf europäischer Ebene eingereicht.

Der JCA konzentriert sich auf klinische Bereiche der HTA. Dazu gehören insbesondere die Beschreibung des Gesundheitsproblems, die Charakterisierung der Gesundheitstechnologie sowie die Bewertung ihrer relativen klinischen Wirksamkeit und relativen Sicherheit.

Was bewertet der Joint Clinical Assessment?

Der JCA bewertet die relativen klinischen Effekte einer Gesundheitstechnologie gegenüber den im Assessment Scope definierten Comparatoren. Die Bewertung berücksichtigt außerdem die Aussagesicherheit der Ergebnisse sowie Stärken und Limitationen der zugrunde liegenden Evidenz.

Ein JCA beantwortet damit klinische Forschungsfragen. Die konkrete Forschungsfrage wird durch das jeweilige PICO bestimmt:

  • Population
  • Intervention
  • Comparator
  • Outcomes

Ein Arzneimittel kann innerhalb eines JCA anhand mehrerer PICOs bewertet werden, wenn die Anforderungen der Mitgliedstaaten unterschiedliche Populationen oder Comparatoren umfassen.

Was bewertet der Joint Clinical Assessment nicht?

Der JCA bewertet weder den Preis eines Arzneimittels noch seinen nationalen Erstattungsstatus oder den abschließenden klinischen Zusatznutzen. Der JCA-Bericht soll wissenschaftlich und faktisch bleiben und darf insbesondere keine abschließende Aussage über den Gesamtbenefit oder klinischen Zusatznutzen der bewerteten Gesundheitstechnologie enthalten.

Auch gesundheitsökonomische Bewertungen, nationale Versorgungskriterien und Preisverhandlungen bleiben außerhalb des eigentlichen JCA.

Diese Trennung ist für die spätere Nutzung des JCA entscheidend: Eine gemeinsame europäische Analyse der klinischen Evidenz ersetzt nicht die nationale Bewertung des Arzneimittels im jeweiligen Gesundheitssystem.

Welche Rolle spielt der JCA für die nationale HTA?

Der JCA liefert eine gemeinsame klinische Evidenzgrundlage für die anschließenden nationalen HTA-Prozesse. Mitgliedstaaten müssen veröffentlichte JCA-Berichte angemessen berücksichtigen, bleiben aber für die nationalen Schlussfolgerungen und Entscheidungen verantwortlich.

Nationale HTA-Stellen können deshalb ergänzende klinische Analysen benötigen. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn national relevante Populationen, Comparatoren oder Outcomes nicht vollständig durch die im JCA enthaltenen Analysen abgedeckt werden.

Welche Arzneimittel unterliegen dem JCA?

Die HTA-Verordnung führt den JCA für Arzneimittel stufenweise ein. Seit 2025 erfasst das Verfahren zunächst bestimmte onkologische Arzneimittel und Advanced Therapy Medicinal Products (ATMPs). 2028 und 2030 wird der Anwendungsbereich erweitert.

Welche Arzneimittel unterliegen seit 2025 dem JCA?

Seit dem 13. Januar 2025 unterliegen bestimmte neue onkologische Arzneimittel und ATMPs dem JCA. Für onkologische Arzneimittel gehört dazu unter anderem die Voraussetzung, dass der Antragsteller im Zulassungsantrag erklärt, dass das Arzneimittel eine neue aktive Substanz zur Behandlung von Krebs enthält und die weiteren Voraussetzungen der HTA-Verordnung erfüllt.

Orphan Drugs können bereits seit 2025 unter den JCA fallen, wenn sie gleichzeitig die Voraussetzungen für die seit 2025 erfasste Gruppe erfüllen, beispielsweise als entsprechendes onkologisches Arzneimittel.

Welche Arzneimittel kommen ab 2028 zum JCA hinzu?

Ab dem 14. Januar 2028 werden zusätzlich Orphan Medicinal Products erfasst, die die entsprechenden Voraussetzungen der HTA-Verordnung erfüllen.

Die Erweiterung erhöht die Zahl der Arzneimittel, für die europäische und nationale Evidenzanforderungen parallel geplant werden müssen.

Welche Arzneimittel unterliegen ab 2030 dem JCA?

Ab dem 14. Januar 2030 wird der JCA auf alle weiteren Arzneimittel ausgeweitet, die die Voraussetzungen von Artikel 7 der HTA-Verordnung erfüllen.

Der JCA entwickelt sich damit von einem zunächst auf ausgewählte Arzneimittelgruppen begrenzten Verfahren zu einem regulären Bestandteil des europäischen Market Access.

Wer ist am JCA-Verfahren beteiligt?

Das JCA-Verfahren verteilt wissenschaftliche, koordinierende und administrative Aufgaben auf mehrere Akteure. Zu den zentralen Beteiligten gehören der Health Technology Developer, Assessor und Co-Assessor, die JCA Subgroup, die HTA Coordination Group und das HTA Secretariat.

Welche Rolle hat der Health Technology Developer im JCA?

Der Health Technology Developer (HTD) reicht die für den Assessment Scope angeforderte Evidenz in einem strukturierten JCA-Dossier ein. Bei Arzneimitteln handelt es sich beim HTD in der Regel um das pharmazeutische Unternehmen, das die Zulassung beantragt.

Der HTD erhält den finalen Assessment Scope und muss die darin definierten Evidenzanforderungen innerhalb der vorgesehenen Frist adressieren. Während der Bewertung können zusätzliche Spezifikationen, Klarstellungen, Informationen, Daten oder Analysen angefordert werden.

Welche Aufgaben haben Assessor und Co-Assessor im JCA?

Assessor und Co-Assessor führen die wissenschaftlich-technische Bewertung eines JCA durch und erstellen gemeinsam den JCA-Bericht. Sie werden aus unterschiedlichen Mitgliedstaaten benannt.

Die Auswahl berücksichtigt die erforderliche HTA-Expertise sowie die für das konkrete Verfahren benötigte wissenschaftliche und therapeutische Expertise. Statistische Expertise und Erfahrung mit Informationsrecherche können ebenfalls für die Durchführung des JCA erforderlich sein.

Welche Aufgaben hat die JCA Subgroup im JCA-Verfahren?

Die JCA Subgroup koordiniert und überprüft die gemeinsame klinische Bewertung auf Ebene der Mitgliedstaaten. Ihre Mitglieder bringen unter anderem nationale Anforderungen in den Scoping-Prozess ein und wirken an der Qualitätssicherung des Assessment Scope und des JCA-Berichts mit.

Welche Rolle spielt die HTA Coordination Group im JCA?

Die HTA Coordination Group (HTACG) verantwortet den übergeordneten Rahmen der gemeinsamen europäischen HTA-Arbeit und endorsiert die finalisierten JCA-Berichte.

Die HTACG entwickelt außerdem methodische und prozedurale Guidance für die gemeinsame Arbeit.

Wie werden Patienten und klinische Experten in den JCA einbezogen?

Patienten, klinische Experten und andere relevante Experten können an mehreren Stellen des JCA-Verfahrens einbezogen werden. Ihre Beteiligung unterstützt insbesondere das Scoping und die fachliche Einordnung des späteren Bewertungsberichts.

Die Beteiligung kann schriftlich oder über definierte Konsultationsformate erfolgen. Bei der Auswahl soll relevante Expertise für die Erkrankung und den therapeutischen Bereich berücksichtigt werden.

Wie läuft das JCA-Verfahren ab?

Das JCA-Verfahren für Arzneimittel umfasst sieben zentrale Schritte: Initiierung, Scoping, Finalisierung des Assessment Scope, Dossiereinreichung, Completeness Check, klinische Bewertung sowie Finalisierung und Veröffentlichung des JCA-Berichts.

Die einzelnen Phasen laufen eng abgestimmt mit dem zentralisierten EMA-Zulassungsverfahren.

Schritt 1: Identifikation und Start des JCA-Verfahrens

Ein potenziell JCA-pflichtiges Arzneimittel wird bereits im Zusammenhang mit der geplanten EMA-Zulassung identifiziert. Der HTD gibt die relevanten Informationen im regulatorischen Prozess an und informiert parallel das HTA Secretariat.

Für das konkrete JCA werden Assessor und Co-Assessor benannt. Die finale Bestätigung des Verfahrensstarts erfolgt im Zusammenhang mit der Einreichung des Zulassungsantrags bei der EMA.

Für Hersteller beginnt die operative Vorbereitung deutlich früher. Bereits vor dem formalen Scoping müssen mögliche Populationen, Comparatoren und Evidenzlücken verstanden werden, wenn notwendige Analysen rechtzeitig verfügbar sein sollen.

Schritt 2: Assessment Scope und PICO-Scoping im JCA

Das JCA-Scoping übersetzt die Anforderungen der Mitgliedstaaten in konkrete klinische Forschungsfragen. Assessor und Co-Assessor entwickeln zunächst einen Vorschlag für den Assessment Scope. Anschließend können die Mitgliedstaaten über eine PICO Survey ihre nationalen Anforderungen einbringen.

Die PICO Survey erfasst insbesondere:

  • relevante Populationen,
  • die zu bewertende Intervention,
  • relevante Comparatoren,
  • relevante Outcomes,
  • gegebenenfalls zusätzliche Anforderungen wie Subgruppenanalysen.

Der Assessment Scope soll die Bedürfnisse der Mitgliedstaaten möglichst umfassend abbilden.

Schritt 3: Finalisierung des JCA Assessment Scope

Der finale JCA Assessment Scope konsolidiert die Anforderungen der Mitgliedstaaten auf möglichst wenige PICOs. Assessor und Co-Assessor prüfen dafür die eingegangenen Anforderungen und führen kompatible Fragestellungen zusammen.

Nach der Finalisierung informiert das HTA Secretariat den HTD über den Assessment Scope und fordert das JCA-Dossier an.

Der HTD kann ein Assessment Scope Explanation Meeting beantragen. Dieses Meeting dient dazu, den finalen Scope zu erläutern. Es ist nicht dafür vorgesehen, die PICOs neu zu verhandeln oder methodische Beratung zur Beantwortung des Scopes zu erteilen.

Schritt 4: Erstellung und Einreichung des JCA-Dossiers

Für die Einreichung des JCA-Dossiers stehen im Standardverfahren grundsätzlich 100 Tage ab der ersten Aufforderung zur Verfügung. Bei einem beschleunigten EMA-Verfahren beträgt die Frist grundsätzlich 60 Tage.

Das JCA-Dossier muss die im Assessment Scope definierten Forschungsfragen mit den verfügbaren klinischen Daten und Analysen adressieren. Dazu gehören unter anderem die Identifikation relevanter Studien, die Darstellung der relativen klinischen Wirksamkeit und Sicherheit sowie die verwendeten Methoden zur Evidenzsynthese.

Die enge Frist begrenzt die Möglichkeit, grundlegende Evidenzfragen erst nach Erhalt des finalen Assessment Scope zu bearbeiten. Analysen und mögliche Vergleichsszenarien müssen deshalb teilweise vor dem finalen Scoping vorbereitet werden.

Schritt 5: Completeness Check des JCA-Dossiers

Nach der Einreichung prüft die Europäische Kommission innerhalb definierter Fristen, ob das JCA-Dossier die gesetzlichen Anforderungen erfüllt. Im Standardverfahren beträgt die Frist für den Completeness Check 15 Arbeitstage, im beschleunigten Verfahren 10 Arbeitstage.

Fehlen erforderliche Informationen, Daten, Analysen oder andere Evidenz, kann eine zweite Aufforderung erfolgen.

Der HTD erhält für fehlende Informationen grundsätzlich 15 Tage. Im beschleunigten Verfahren sind es 10 Tage. Bei lediglich kleineren fehlenden Informationen kann die Frist 7 Tage betragen.

Ein auch nach der zweiten Aufforderung nicht ausreichend oder nicht rechtzeitig eingereichtes Dossier kann zur Einstellung des JCA führen.

Schritt 6: Wissenschaftliche Bewertung des JCA-Dossiers

Assessor und Co-Assessor bewerten die eingereichte Evidenz entlang der im Assessment Scope definierten PICOs. Im Mittelpunkt stehen die relativen klinischen Effekte sowie die Aussagesicherheit der zugrunde liegenden Evidenz.

Während der Erstellung des JCA-Berichts können weitere Spezifikationen, Klarstellungen oder zusätzliche Informationen und Analysen erforderlich werden. Die hierfür gesetzte Antwortfrist kann je nach Art der Anfrage zwischen mindestens 7 und höchstens 30 Tagen liegen.

Neue klinische Daten, die während des JCA auch bei der EMA eingereicht werden, können ebenfalls für die gemeinsame klinische Bewertung relevant werden.

Schritt 7: Factual Accuracy Check und Veröffentlichung des JCA-Berichts

Vor der finalen Veröffentlichung erhält der HTD die Möglichkeit, technische und faktische Fehler im überarbeiteten JCA-Bericht zu kennzeichnen. Der Factual Accuracy Check ist keine zweite wissenschaftliche Stellungnahme zum Bewertungsergebnis.

Im Standardverfahren beträgt die Frist grundsätzlich 7 Tage. Unter bestimmten Bedingungen, unter anderem beim Accelerated Procedure, beträgt sie 5 Tage.

Nach der weiteren Finalisierung validiert die JCA Subgroup den Bericht. Die HTA Coordination Group endorsiert den JCA-Bericht anschließend. Für Arzneimittel soll dieses Endorsement spätestens 30 Tage nach der Entscheidung der Europäischen Kommission über die Marktzulassung erfolgen.

Wie wird der Assessment Scope im JCA festgelegt?

Der Assessment Scope definiert die klinischen Forschungsfragen, die der JCA beantworten soll. Er wird aus den Anforderungen der Mitgliedstaaten entwickelt und bestimmt, welche Populationen, Interventionen, Comparatoren und Outcomes der HTD im JCA-Dossier adressieren muss.

Der Assessment Scope gehört deshalb zu den entscheidenden Schritten des JCA. Er bestimmt nicht nur die spätere Struktur der Bewertung, sondern konkretisiert den europäischen Daten- und Analysebedarf.

Wie entsteht der Assessment Scope im JCA?

Der Assessment Scope entsteht über einen mehrstufigen Prozess aus Scope Proposal, PICO Survey und PICO-Konsolidierung.

Assessor und Co-Assessor entwickeln zunächst einen Vorschlag. Dafür können unter anderem Informationen aus dem regulatorischen Verfahren, europäische klinische Leitlinien sowie Input von Patienten und klinischen Experten berücksichtigt werden.

Die Mitgliedstaaten prüfen diesen Vorschlag und melden ihre nationalen Anforderungen über die PICO Survey zurück. Assessor und Co-Assessor konsolidieren anschließend die Rückmeldungen.

Welche Anforderungen melden die Mitgliedstaaten im JCA-Scoping?

Jeder Mitgliedstaat kann Anforderungen zu Population, Intervention, Comparator und Outcomes formulieren. Die Mitgliedstaaten sollen ihre Anforderungen auf das beschränken, was sie für ihre nationale Entscheidungsfindung benötigen.

Das ist relevant, weil europäische Gesundheitssysteme unterschiedliche Therapiestandards verwenden können. Insbesondere Comparatoren und relevante Subpopulationen können sich zwischen Mitgliedstaaten unterscheiden.

Wie werden unterschiedliche Anforderungen der Mitgliedstaaten konsolidiert?

Die PICO-Konsolidierung soll die Anforderungen der Mitgliedstaaten mit der geringstmöglichen Zahl an PICOs abbilden.

Die Scoping Guidance beschreibt dafür vier Schritte:

  1. Anforderungen jedes Mitgliedstaats erfassen.
  2. Anforderungen nach Population gegenüberstellen.
  3. Erforderliche Comparatoren je Population auswählen und PICOs zuordnen.
  4. Die konsolidierten PICOs einschließlich Outcomes in einer finalen PICO-Struktur zusammenführen.

Eine Konsolidierung darf nationale Anforderungen nicht so reduzieren, dass ein Mitgliedstaat seine relevante klinische Fragestellung nicht mehr im JCA wiederfindet.

Kann ein JCA mehrere PICOs enthalten?

Ein JCA kann mehrere PICOs enthalten, wenn die Anforderungen der Mitgliedstaaten nicht durch eine einzige klinische Forschungsfrage abgedeckt werden können.

Mehrere PICOs können beispielsweise entstehen, wenn unterschiedliche Subpopulationen oder unterschiedliche Comparatoren separat bewertet werden müssen.

Für Hersteller steigt damit der analytische Aufwand. Eine einzelne pivotale Studie beantwortet nicht automatisch jede im europäischen Scoping definierte Fragestellung.

Welche Rolle spielen PICOs im JCA?

PICOs definieren die konkreten klinischen Forschungsfragen des Joint Clinical Assessment. PICO steht für Population, Intervention, Comparator und Outcomes.

Der Assessment Scope kann ein oder mehrere PICOs enthalten. Für jedes PICO muss geprüft werden, welche verfügbare Evidenz die definierte Fragestellung tatsächlich beantwortet.

Wie wird die Population im JCA-PICO definiert?

Die Population eines JCA-PICO beschreibt die Patientinnen und Patienten, für die die relative klinische Wirksamkeit und Sicherheit bewertet werden sollen.

Ausgangspunkt ist die beantragte therapeutische Indikation. Mitgliedstaaten können zusätzlich relevante Subpopulationen definieren, wenn diese für ihre nationale klinische Fragestellung erforderlich sind.

Subpopulationen führen im Scoping zu separaten PICOs. Davon zu unterscheiden sind Subgruppenanalysen innerhalb eines bestehenden PICO, beispielsweise nach Alter, Geschlecht oder anderen potenziellen Effektmodifikatoren.

Wie werden Comparatoren im JCA-PICO ausgewählt?

Comparatoren im JCA bilden die Behandlungsalternativen ab, die Mitgliedstaaten für ihre jeweilige klinische Fragestellung benötigen.

Ein PICO kann einen einzelnen Comparator enthalten. Sind mehrere Therapien relevant, können unterschiedliche Konstellationen entstehen: Ein Effekt gegenüber jedem einzelnen Comparator kann erforderlich sein, mehrere Behandlungen können als alternative Comparatoren zusammengefasst werden oder eine individualisierte Behandlung kann den Vergleichsmaßstab bilden.

Die europäische Comparator-Struktur kann dadurch breiter ausfallen als der Vergleichsmaßstab eines einzelnen Mitgliedstaats.

Was ist ein individualisierter Comparator im JCA?

Ein individualisierter Comparator umfasst mehrere Behandlungsoptionen, wenn die konkrete Therapieentscheidung von individuellen Patientenmerkmalen abhängt.

Relevant kann dies bei heterogenen Populationen sein, für die kein einzelner Therapiestandard für sämtliche Patientinnen und Patienten existiert. Merkmale wie Vorbehandlung, Krankheitsausprägung, Kontraindikationen oder Biomarker können beeinflussen, welche Therapie im Einzelfall gewählt wird.

Wie werden Outcomes im JCA-PICO festgelegt?

Die Outcomes eines JCA-PICO spiegeln die klinischen Ergebnisparameter wider, welche die Mitgliedstaaten für die Bewertung benötigen.

Zu den möglichen Outcomes gehören Mortalität, Morbidität, Symptome, Funktion, gesundheitsbezogene Lebensqualität und Sicherheit. Der JCA soll keine Rangfolge der Outcomes vornehmen.

Warum können mehrere PICOs für ein Arzneimittel entstehen?

Mehrere JCA-PICOs entstehen, wenn unterschiedliche nationale Anforderungen nicht sinnvoll in einer einzigen Forschungsfrage konsolidiert werden können.

Besonders relevant sind Unterschiede bei Populationen und Comparatoren. Ein Mitgliedstaat kann beispielsweise eine bestimmte Behandlung als national relevanten Comparator benötigen, während ein anderer Mitgliedstaat einen anderen Therapiestandard verwendet.

Für die Evidenzplanung bedeutet das: Die Frage ist nicht nur, ob klinische Evidenz vorhanden ist, sondern welche der europäischen PICOs durch direkte oder methodisch geeignete indirekte Evidenz beantwortet werden können.

Wie wird das JCA-Dossier eingereicht?

Das JCA-Dossier wird nach Finalisierung des Assessment Scope in digitaler Form über die europäische HTA-Infrastruktur eingereicht. Die Einreichung muss die im Assessment Scope definierten Forschungsfragen anhand der verfügbaren klinischen Evidenz adressieren.

Das Dossier folgt einem vorgegebenen Aufbau und dokumentiert unter anderem den Assessment Scope, die verwendeten Methoden, die identifizierte Evidenz sowie die Ergebnisse zur relativen klinischen Wirksamkeit und Sicherheit.

Wie lange hat der Hersteller für das JCA-Dossier Zeit?

Die reguläre Frist für die Einreichung des JCA-Dossiers beträgt 100 Tage ab der ersten Aufforderung. Bei einem Accelerated Procedure beträgt die Frist 60 Tage.

In begründeten Fällen kann eine Verlängerung möglich sein. Die regulatorischen Zeitgrenzen des parallel laufenden Zulassungsverfahrens begrenzen jedoch den verfügbaren Spielraum.

Wie wird die Vollständigkeit des JCA-Dossiers geprüft?

Der Completeness Check prüft, ob das eingereichte JCA-Dossier die gesetzlich geforderten Informationen, Daten, Analysen und sonstigen Nachweise enthält.

Die Prüfung bewertet damit zunächst die Vollständigkeit der Submission. Sie ist von der anschließenden wissenschaftlichen Bewertung der Evidenz zu unterscheiden.

Was passiert, wenn Informationen im JCA-Dossier fehlen?

Bei einem unvollständigen JCA-Dossier kann der HTD eine zweite Aufforderung zur Nachreichung der fehlenden Inhalte erhalten.

Bleibt das Dossier auch danach unvollständig oder werden die erforderlichen Inhalte nicht rechtzeitig eingereicht, kann der JCA eingestellt werden.

Können während des JCA zusätzliche Daten angefordert werden?

Assessor und Co-Assessor können während der Erstellung des JCA-Berichts zusätzliche Spezifikationen, Klarstellungen, Informationen, Daten oder Analysen anfordern.

Für Hersteller entsteht daraus ein enger Reaktionsbedarf während der Assessment-Phase. Die verfügbare Evidenz, statistische Analysen und zugrunde liegende Dokumentation sollten deshalb so vorbereitet sein, dass zusätzliche Fragen innerhalb kurzer Fristen beantwortet werden können.

Welche Evidenz wird im JCA bewertet?

Der JCA bewertet die verfügbare klinische Evidenz, die zur Beantwortung der im Assessment Scope definierten PICOs relevant ist. Im Mittelpunkt steht der Vergleich der Gesundheitstechnologie mit den jeweils relevanten Comparatoren.

Die Evidenzanforderung richtet sich damit nicht allein nach dem regulatorischen Entwicklungsprogramm. Entscheidend ist, ob die vorhandenen Studien und Analysen die europäischen Forschungsfragen beantworten.

Welche Bedeutung haben randomisierte kontrollierte Studien im JCA?

Randomisierte kontrollierte Studien bilden den bevorzugten Evidenztyp für die kausale Bewertung relativer Interventionseffekte.

Die HTA-Verordnung nennt direkt vergleichende, randomisierte und kontrollierte klinische Studien als bevorzugt zu berücksichtigende Evidenz. Randomisierung reduziert insbesondere das Risiko systematischer Unterschiede zwischen Behandlungsgruppen.

Eine RCT ist dennoch nicht automatisch für jedes JCA-PICO geeignet. Population, Comparator und Outcomes der Studie müssen zur jeweiligen Bewertungsfrage passen.

Können nicht randomisierte Studien im JCA berücksichtigt werden?

Nicht randomisierte und beobachtende Studien können im JCA berücksichtigt werden, wenn sie für die Bewertungsfrage relevante Evidenz liefern.

Ihre Ergebnisse sind jedoch stärker durch potenzielle Confounder und andere Verzerrungsquellen gefährdet. Die interne Validität muss entsprechend berücksichtigt werden.

Unkontrollierte Single-Arm-Studien besitzen für die direkte Bewertung relativer Effekte nur einen begrenzten Aussagewert, weil ein interner Comparator fehlt.

Welche Rolle spielen indirekte Vergleiche im JCA?

Indirekte Vergleiche können erforderlich werden, wenn keine direkte vergleichende Evidenz für ein relevantes JCA-PICO vorliegt.

Die Eignung eines indirekten Vergleichs hängt von der verfügbaren Evidenzstruktur und der verwendeten Methodik ab. Bei mehreren europäischen PICOs kann deshalb bereits vor dem finalen Assessment Scope geprüft werden, welche potenziellen Comparatoren direkt durch das Entwicklungsprogramm abgedeckt sind und wo zusätzliche Evidenzsynthesen erforderlich werden könnten.

Welche Rolle können Real-World Data im JCA spielen?

Real-World Data und daraus generierte Real-World Evidence sind im JCA nicht grundsätzlich ausgeschlossen.

Ihre Eignung hängt von der konkreten Forschungsfrage, Datenqualität, Studiendesign und methodischen Umsetzung ab. Beobachtende Evidenz ersetzt nicht automatisch einen geeigneten direkten Vergleich, kann aber bestimmte Evidenzfragen ergänzen.

Wie werden klinische Studien im JCA bewertet?

Die Aussagesicherheit klinischer Ergebnisse im JCA wird insbesondere anhand von interner Validität, externer Validität und statistischer Präzision beschrieben.

Diese drei Dimensionen beantworten unterschiedliche Fragen. Eine hohe statistische Präzision kann beispielsweise methodische Verzerrungen einer Studie nicht ausgleichen.

Wie bewertet der JCA die interne Validität klinischer Studien?

Die interne Validität beschreibt, wie stark ein Studienergebnis durch systematische Verzerrungen beeinflusst sein kann.

Für randomisierte kontrollierte Studien empfiehlt die JCA Guidance eine strukturierte Risk-of-Bias-Bewertung. Für vergleichende nicht randomisierte Studien und Kohortenstudien werden entsprechend geeignete Instrumente benötigt.

Die Bewertung erfolgt abhängig vom Studiendesign und kann sich zwischen einzelnen Outcomes unterscheiden.

Wie bewertet der JCA die externe Validität klinischer Studien?

Die externe Validität beschreibt, wie gut die klinische Evidenz zur Population, Intervention, zum Comparator und zu den Outcomes der jeweiligen JCA-Fragestellung passt.

Ein relevantes Problem entsteht beispielsweise, wenn die Studienpopulation von der im PICO definierten Population abweicht oder der Studienkomparator den angeforderten Comparator nicht ausreichend abbildet.

Der JCA beschreibt solche Einschränkungen. Die abschließende Beurteilung der Anwendbarkeit im jeweiligen nationalen Gesundheitssystem bleibt jedoch den Mitgliedstaaten vorbehalten.

Wie berücksichtigt der JCA die statistische Präzision?

Effektschätzer sollen im JCA zusammen mit geeigneten Maßen ihrer statistischen Präzision dargestellt werden, in der Regel mit Konfidenzintervallen.

Statistische Signifikanz allein entscheidet nicht über den klinischen Zusatznutzen einer Gesundheitstechnologie. Der JCA beschreibt Ergebnisse und Unsicherheit, während die nationale Einordnung der klinischen Relevanz bei den Mitgliedstaaten verbleibt.

Welche Outcomes werden im JCA berücksichtigt?

Outcomes im JCA erfassen klinische Ergebnisse zur Wirksamkeit und Sicherheit einer Gesundheitstechnologie. Dazu können Mortalität, Morbidität, Symptome, Funktion, gesundheitsbezogene Lebensqualität und unerwünschte Ereignisse gehören.

Die Outcomes werden bereits im Scoping durch die Anforderungen der Mitgliedstaaten bestimmt.

Was ist ein Outcome im JCA?

Ein Outcome ist ein klinisches Konzept, mit dem Wirksamkeit oder Sicherheit einer Gesundheitstechnologie beurteilt werden kann.

Ein Outcome ist von seiner konkreten Messung zu unterscheiden. Mortalität kann beispielsweise als Gesamtüberleben oder als Anteil verstorbener Patientinnen und Patienten zu einem bestimmten Zeitpunkt operationalisiert werden.

Welche patientenzentrierten Outcomes sind für den JCA relevant?

Patientenzentrierte Outcomes messen insbesondere Mortalität, Morbidität sowie Auswirkungen einer Erkrankung oder Behandlung auf Befinden, Funktion und Lebensqualität.

Die Auswahl relevanter Outcomes kann sich je nach Erkrankung und klinischer Fragestellung unterscheiden. Langfristige oder finale patientenzentrierte Outcomes werden nach Möglichkeit bevorzugt.

Welche Rolle spielen Patient-Reported Outcomes im JCA?

Patient-Reported Outcomes (PROs) erfassen den Gesundheitszustand unmittelbar aus Sicht der Patientinnen und Patienten.

PROs können unter anderem Symptome, Funktionsfähigkeit oder gesundheitsbezogene Lebensqualität erfassen. Die verwendeten Messinstrumente müssen für eine belastbare Interpretation ausreichend valide, reliabel und interpretierbar sein.

Wie werden Surrogat-Outcomes im JCA behandelt?

Surrogat-Outcomes können im JCA berücksichtigt werden, ihre Aussagekraft für patientenzentrierte Outcomes muss jedoch transparent eingeordnet werden.

Die Guidance unterscheidet unterschiedliche Evidenzstufen für die Validierung eines Surrogats. Besonders aussagekräftig ist Evidenz, die zeigt, dass Behandlungseffekte auf das Surrogat mit Behandlungseffekten auf das relevante patientenzentrierte Outcome zusammenhängen.

Verbleibende Unsicherheiten über die Surrogatvalidität sollen im JCA-Bericht beschrieben werden.

Wie entstehen JCA-Bericht und Summary Report?

Assessor und Co-Assessor erstellen den JCA-Bericht auf Grundlage des Assessment Scope und der vom HTD eingereichten Evidenz. Der Bericht wird innerhalb der JCA Subgroup geprüft und anschließend durch die HTA Coordination Group endorsed.

Welche Ergebnisse enthält der JCA-Bericht?

Der JCA-Bericht beschreibt die relativen klinischen Effekte der Gesundheitstechnologie und die Aussagesicherheit der verfügbaren Evidenz.

Dazu gehören numerische Ergebnisse, Angaben zur statistischen Unsicherheit sowie eine Beschreibung von Stärken und Limitationen der Evidenz.

Der Bericht soll den Mitgliedstaaten eine wissenschaftliche Grundlage für ihre nachgelagerten nationalen Prozesse bereitstellen.

Welche Aussagen darf der JCA-Bericht nicht enthalten?

Der JCA-Bericht darf keine abschließende Bewertung des klinischen Zusatznutzens, keine Rangfolge der Outcomes und keine Empfehlung zur Position der Gesundheitstechnologie in einer Behandlungsstrategie enthalten.

Diese Abgrenzung gehört zu den zentralen Prinzipien der HTA-Verordnung. Der europäische JCA beschreibt die klinische Evidenz. Die nationale Appraisal und die daraus resultierenden Entscheidungen bleiben Aufgabe der Mitgliedstaaten.

Welche Rolle hat der Factual Accuracy Check im JCA?

Der Factual Accuracy Check ermöglicht dem HTD, rein technische oder faktische Fehler im überarbeiteten Bericht zu kennzeichnen und kommerziell vertrauliche Informationen zu markieren.

Der Factual Accuracy Check dient nicht dazu, die wissenschaftliche Bewertung grundsätzlich neu zu diskutieren. Kommentare außerhalb dieses Rahmens müssen nicht berücksichtigt werden.

Welche Fristen gelten im JCA-Verfahren?

Das JCA-Verfahren enthält mehrere kurze und verbindliche Fristen, die eng mit dem EMA-Zulassungsverfahren abgestimmt sind. Besonders relevant sind die Fristen für Dossiereinreichung, Completeness Check, Nachforderungen und Factual Accuracy Check.

**Verfahrensschritt****Reguläres Verfahren****Accelerated Procedure / besondere Konstellationen**
JCA-Dossier einreichen100 Tage60 Tage
Completeness Check15 Arbeitstage10 Arbeitstage
Fehlende Informationen nach Second Request15 Tage10 Tage
Nur kleinere fehlende Informationen7 Tage7 Tage
Zusätzliche Requests während Assessment7 bis 30 Tageabhängig vom Request
Factual Accuracy Check7 Tagein definierten Fällen 5 Tage
HTACG-Endorsement bei Arzneimittelnspätestens 30 Tage nach EU-Zulassungsentscheidungentsprechend regulatorischem Ablauf

Die konkreten Fristen eines laufenden Verfahrens sollten immer anhand der für dieses JCA geltenden Verfahrensunterlagen geprüft werden.

Was passiert nach Veröffentlichung des JCA-Berichts?

Nach der Veröffentlichung fließt der JCA-Bericht in die nationalen HTA-Prozesse der Mitgliedstaaten ein. Die Mitgliedstaaten müssen den Bericht angemessen berücksichtigen, behalten aber ihre Zuständigkeit für nationale Schlussfolgerungen und Entscheidungen.

Können Mitgliedstaaten zusätzliche klinische Analysen durchführen?

Mitgliedstaaten können ergänzende klinische Analysen durchführen, wenn diese für ihren nationalen HTA-Prozess erforderlich sind.

Das kann insbesondere Populationen, Comparatoren oder Outcomes betreffen, die nicht ausreichend durch den JCA-Bericht abgedeckt werden. Auch abweichende nationale methodische Anforderungen können zusätzliche Analysen erforderlich machen.

Können nach dem JCA zusätzliche nationale Daten erforderlich sein?

Nationale HTA-Prozesse können Informationen und Evidenz benötigen, die nicht Bestandteil des europäischen JCA waren.

Dazu können neu verfügbare klinische Daten oder landesspezifische Informationen gehören. Nicht klinische HTA-Bereiche wie Epidemiologie, Kosten, Versorgungskontext und gesundheitsökonomische Aspekte verbleiben ebenfalls weitgehend auf nationaler Ebene.

Ersetzt der JCA nationale HTA-Verfahren?

Der Joint Clinical Assessment ersetzt nationale HTA-, Pricing- und Reimbursement-Verfahren nicht.

Der JCA reduziert Doppelarbeit bei der gemeinsamen klinischen Evidenzbewertung. Die Schlussfolgerung darüber, welchen Wert oder klinischen Zusatznutzen eine Gesundheitstechnologie im konkreten Gesundheitssystem besitzt, bleibt national.

Was ist der Unterschied zwischen EMA-Zulassung, JCA und nationaler HTA?

Der Unterschied zwischen EMA-Zulassung, JCA und nationaler HTA liegt vor allem in der jeweiligen Entscheidungsfrage. Die EMA beurteilt die Voraussetzungen für die Zulassung, der JCA analysiert die relative klinische Evidenz und nationale HTA-Verfahren treffen die für das jeweilige Gesundheitssystem relevanten Bewertungen.

**EMA-Zulassung****JCA****Nationale HTA**
Zentrale FrageErfüllt das Arzneimittel die regulatorischen Anforderungen an Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit?Welche relativen klinischen Effekte zeigt die Technologie gegenüber relevanten Comparatoren?Wie ist die Evidenz im nationalen Gesundheitssystem zu bewerten?
EbeneEuropäischEuropäischNational
Klinischer VergleichRegulatorisches EntwicklungsprogrammAssessment Scope mit einem oder mehreren PICOsNational relevante Bewertungsfrage
ErgebnisZulassungsentscheidungJCA Report und Summary ReportNationale HTA-Bewertung bzw. Entscheidung
Preis und ErstattungNeinNeinNationale Zuständigkeit

Eine erfolgreiche EMA-Zulassung beantwortet damit nicht automatisch die JCA-Fragestellungen. Ein positiver JCA-Bericht wiederum nimmt keine nationale Zusatznutzen- oder Erstattungsentscheidung vorweg.

Warum beginnt die Vorbereitung auf den JCA vor dem Verfahren?

Die Vorbereitung auf den JCA beginnt vor dem finalen Assessment Scope, weil grundlegende Evidenzlücken innerhalb der kurzen Submission-Frist kaum noch geschlossen werden können.

Populationen, Comparatoren, Outcomes und potenzielle indirekte Vergleiche sollten deshalb bereits während der klinischen Entwicklung aus europäischer HTA-Perspektive geprüft werden.

Warum sollten Hersteller mögliche JCA-PICOs früh simulieren?

Eine frühe PICO-Simulation zeigt, welche potenziellen europäischen Bewertungsfragen durch das klinische Entwicklungsprogramm direkt beantwortet werden und wo Evidenzlücken entstehen können.

Relevant sind insbesondere Unterschiede zwischen nationalen Therapiestandards. Ein Comparator, der für einen Mitgliedstaat relevant ist, muss nicht Bestandteil der pivotalen Studie sein.

Frühe Simulationen können deshalb aufzeigen, wo zusätzliche Comparative Effectiveness Analyses, indirekte Vergleiche oder weitere Evidenzquellen vorbereitet werden müssen.

Warum müssen Clinical, Regulatory, HEOR und Market Access beim JCA zusammenarbeiten?

Der JCA verbindet den regulatorischen Zeitplan mit europäischen HTA-Anforderungen und erfordert deshalb eine frühe Abstimmung zwischen Clinical, Regulatory, HEOR und Market Access.

Der finale Zulassungstext beeinflusst die Population des JCA. Das klinische Entwicklungsprogramm bestimmt die verfügbare Evidenz. Das Scoping definiert die europäischen Vergleichsfragen. Nationale HTA-Prozesse benötigen anschließend eine weitere Einordnung dieser Evidenz.

Eine isolierte Vorbereitung einzelner Funktionen erhöht deshalb das Risiko, dass Evidenz zwar regulatorisch verfügbar ist, aber eine relevante HTA-Fragestellung nicht ausreichend beantwortet.

Was bedeutet das JCA-Verfahren für Hersteller?

Das JCA-Verfahren verschiebt einen Teil der Market-Access-Vorbereitung deutlich vor die eigentliche Dossiereinreichung. Hersteller müssen mögliche europäische PICOs, Comparatoren, Outcomes und Evidenzlücken früh in der klinischen Entwicklung berücksichtigen.

Fünf Vorbereitungspunkte sind besonders relevant:

  1. Welche Populationen könnten im europäischen Assessment Scope entstehen?
  2. Welche Comparatoren sind in den relevanten Mitgliedstaaten zu erwarten?
  3. Welche PICOs werden durch direkte vergleichende Evidenz beantwortet?
  4. Wo könnten indirekte Vergleiche oder zusätzliche Analysen erforderlich werden?
  5. Welche europäischen Ergebnisse lassen sich anschließend für nationale HTA-Verfahren nutzen und wo bleiben nationale Evidenzanforderungen bestehen?

Hersteller sollten mögliche JCA-PICOs früh antizipieren

Die finale Zahl und Ausgestaltung der PICOs steht erst nach dem europäischen Scoping fest. Hersteller können jedoch früh analysieren, welche klinischen Fragestellungen sich aus der erwarteten Indikation und den Therapiestandards wichtiger Mitgliedstaaten ergeben könnten.

Die Vorbereitung ersetzt das formale Scoping nicht. Sie schafft aber Zeit für Analysen, die innerhalb des späteren Submission-Fensters nur schwer neu aufgebaut werden können.

Hersteller sollten direkte und indirekte Evidenz gemeinsam planen

Ein klinisches Entwicklungsprogramm kann einen zentralen Comparator direkt adressieren, während weitere JCA-PICOs andere Comparatoren enthalten.

Für diese Konstellationen sollte früh geprüft werden, welche Evidenznetzwerke verfügbar sind, welche indirekten Vergleichsmethoden infrage kommen und ob die erforderlichen Studieninformationen rechtzeitig verfügbar sind.

Hersteller sollten JCA und nationale HTA parallel vorbereiten

Der JCA schafft eine gemeinsame europäische Evidenzbasis, ersetzt aber nicht die Anforderungen der nationalen Gesundheitssysteme.

Für Deutschland stellt sich beispielsweise anschließend die Frage, welches europäische PICO die nationale Nutzenbewertung abbildet, wie der JCA-Comparator zur zweckmäßigen Vergleichstherapie passt und welche zusätzlichen Analysen für das AMNOG-Verfahren erforderlich bleiben.

Die Vorbereitung sollte deshalb nicht beim JCA-Bericht enden. Entscheidend ist, welche Teile der europäischen Evidenz in den relevanten nationalen Verfahren tatsächlich tragfähig sind.

Der JCA verbindet europäische Evidenzbewertung mit nationaler HTA

Der Joint Clinical Assessment schafft eine gemeinsame europäische Bewertung der relativen klinischen Evidenz, ohne die nationalen HTA-Entscheidungen zu ersetzen. Der Assessment Scope, die darin definierten PICOs und die kurze Dossierfrist machen die frühe Evidenzplanung zu einem zentralen Bestandteil der Vorbereitung.

Für Hersteller liegt die wesentliche Aufgabe deshalb vor der eigentlichen JCA-Submission. Das klinische Entwicklungsprogramm muss nicht nur regulatorische Anforderungen erfüllen, sondern möglichst belastbare Antworten auf unterschiedliche europäische Vergleichsfragen ermöglichen.

Nach Veröffentlichung des JCA-Berichts folgt die nächste Prüfung: Welche europäische Evidenz trägt im jeweiligen nationalen Verfahren und welche zusätzlichen Analysen bleiben erforderlich? An dieser Schnittstelle zwischen JCA und nationaler HTA entscheidet sich, wie weit die gemeinsame europäische Evidenz tatsächlich genutzt werden kann.

Häufige Fragen

Was bedeutet JCA?

JCA steht für Joint Clinical Assessment. Der JCA ist die gemeinsame klinische Bewertung bestimmter Gesundheitstechnologien nach der europäischen HTA-Verordnung.

Was ist der Unterschied zwischen JCA und HTA?

Der JCA ist ein Teil der Health Technology Assessment (HTA), der sich auf die gemeinsame Bewertung klinischer Aspekte konzentriert. Nationale HTA-Prozesse können darüber hinaus weitere klinische und nicht klinische Aspekte berücksichtigen.

Wer führt den JCA durch?

Assessor und Co-Assessor aus unterschiedlichen Mitgliedstaaten führen die wissenschaftliche Bewertung durch und erstellen gemeinsam den JCA-Bericht. Die JCA Subgroup und die HTA Coordination Group übernehmen weitere Prüfungs-, Koordinierungs- und Endorsement-Aufgaben.

Was bedeutet PICO im JCA?

PICO steht im JCA für Population, Intervention, Comparator und Outcomes. Ein PICO definiert eine konkrete klinische Forschungsfrage des Assessment Scope.

Kann ein JCA mehrere PICOs enthalten?

Ein JCA kann mehrere PICOs enthalten. Mehrere PICOs entstehen insbesondere dann, wenn unterschiedliche Anforderungen der Mitgliedstaaten zu Populationen oder Comparatoren nicht in einer einzigen Forschungsfrage konsolidiert werden können.

Wie lange hat ein Hersteller für das JCA-Dossier Zeit?

Die reguläre Einreichungsfrist für das JCA-Dossier beträgt 100 Tage nach der ersten Aufforderung. Im Accelerated Procedure beträgt die Frist grundsätzlich 60 Tage.

Bewertet der JCA den Zusatznutzen eines Arzneimittels?

Der JCA trifft keine abschließende Bewertung des klinischen Zusatznutzens eines Arzneimittels. Der JCA beschreibt die relativen klinischen Effekte und die Aussagesicherheit der Evidenz. Schlussfolgerungen über den klinischen Zusatznutzen bleiben den Mitgliedstaaten vorbehalten.

Entscheidet der JCA über Preis und Erstattung?

Der JCA entscheidet nicht über Preis oder Erstattung eines Arzneimittels. Pricing- und Reimbursement-Entscheidungen bleiben in nationaler Zuständigkeit.

Ersetzt der JCA nationale HTA-Verfahren?

Der JCA ersetzt nationale HTA-Verfahren nicht. Die Mitgliedstaaten berücksichtigen den gemeinsamen Bericht, können aber ergänzende Analysen durchführen und treffen ihre nationalen Entscheidungen weiterhin selbst.

Was passiert mit dem JCA-Bericht in Deutschland?

Der JCA-Bericht fließt in die deutsche frühe Nutzenbewertung ein, ersetzt aber weder die nationale Zusatznutzenbewertung noch den G-BA-Beschluss. Für das AMNOG-Verfahren bleibt zu prüfen, welche europäischen PICOs die deutsche Bewertungsfrage abbilden und welche nationalen Ergänzungen erforderlich sind.